„Vert“ – eine Begrünungsmaschine für die Stadt

von | Juni 16, 2025

Der hoch aufragende, dreieckige Holzrahmen von „Vert“ beeindruckt schon auf den ersten Blick. Zwischen den segelartigen Strukturen auf dem Museumsplatz der Bonner Bundeskunsthalle ranken sich Kletterpflanzen empor, werfen kühlenden Schatten und lassen einen für einen Moment vergessen, dass man sich mitten in der Stadt befindet.

Auf den beweglichen, hängemattenartigen Sitzflächen kann man sich ausruhen, während Kinder sie begeistert zum Schaukeln nutzen. Das von Diez Office, dem American Hardwood Export Council (AHEC) und dem Begrünungsspezialisten OMC°C entwickelte System besteht aus thermisch modifiziertem Roteiche-Brettschichtholz und begegnet den Auswirkungen des Klimawandels in Städten mit architektonischem Innovationsgeist.

Einfache Konstruktion mit positiver Bilanz

Was diese Konstruktion besonders macht, ist ihre durchdachte Einfachheit: Biologisch abbaubare Netze spannen sich zwischen den dreieckigen Rahmen und bieten etwa 20 verschiedenen einjährigen Kletterpflanzen eine Rankhilfe. Kluge architektonische Konstruktionen wie „Vert“ können ein wichtiger Baustein sein, um Städte auf den Klimawandel vorzubereiten: Das System kühlt die Umgebungsluft um bis zu 8°C ab und erzeugt viermal mehr Schatten als ein 20 Jahre alter Baum.

Besonders an „Vert“ ist auch, dass es ökologische und soziale Aspekte zusammenbringt. Es schafft nicht nur ein besseres Mikroklima, sondern auch einen öffentlichen Ort der Begegnung und Erholung. Hier kann man sich im Schatten ausruhen, ohne etwas kaufen oder konsumieren zu müssen – was in vielen Städten leider zur Seltenheit geworden ist.

Museen sind nicht nur Orte der Kunst und Kultur, sondern auch Institutionen mit erheblichem ökologischem Fußabdruck: Klimatisierte Ausstellungsräume, permanente Beleuchtung und internationale Kunsttransporte sorgen für einen erheblichen CO2-Ausstoß. Miriam Szwast ist am Museum Ludwig in Köln Kuratorin für Fotografie und Ökologie. Gemeinsam mit ihren Kolleg:innen hat sie eine Nachhaltigkeitsinitiative gegründet und engagiert sich mit dem Green Culture Collective dafür, den nachhaltigen Wandel auch in anderen Kulturinstitutionen voran zu bringen. </p>
<p>Hallo Miriam, schön, dass du da bist. Kannst du erzählen, wie du angefangen hast, dich für das Thema Nachhaltigkeit zu interessieren?</p>
<p>Ich bin mir sicher, dass ich mich für Nachhaltigkeit begonnen habe zu interessieren, bevor ich wusste, was Nachhaltigkeit ist. Das war ein Prozess, zu begreifen, wie viele Dimensionen dahinterstecken – ökologisch, sozial, ökonomisch. Für mich hat das tatsächlich eher aus dem privaten Interesse begonnen – wie sicherlich für viele Menschen, sensibler für Dinge zu werden, vielleicht einige Dinge im Privaten umzustellen.<br />
Dann habe ich auch realisiert an einem Arbeitsplatz zu sein, mit dem ich mich inhaltlich verbunden fühle. Über die Jahre habe ich dann gemerkt, dass es viele Dinge hinter den Kulissen meiner Institution gibt, die für Nachhaltigkeit wichtig sind.<br />

Foto: N. Oxen

WEtransFORM: Ein Blick in die Zukunft

„Vert“ ist Teil der Ausstellung „WEtransFORM. Zur Zukunft des Bauens“ in der Bundeskunsthalle (6. Juni 2025 bis 25. Januar 2026), die sich der ökologischen Transformation widmet. Als Highlight auf dem Museumsplatz präsentiert, steht die Installation stellvertretend für rund 80 Projekte, die zeigen, wie wir unsere gebaute Umwelt klimagerecht erneuern können. Die Ausstellung, eine Initiative der Bundeskunsthalle in Partnerschaft mit dem New European Bauhaus und transform.NRW, lädt zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit Themen wie Klimaresilienz, Biodiversität und zirkulärem Bauen ein.

Projekte wie „Vert“ zeigen, dass Transformation nicht immer die große Geste braucht. Manchmal sind es die klugen, modularen Lösungen, die unsere Städte Stück für Stück lebenswerter machen – und dabei zeigen, dass Nachhaltigkeit, Ästhetik und soziale Qualität keine Gegensätze sein müssen.

Installationsansicht Grüne Moderne. Die neue Sicht auf Pflanzen. Museum Ludwig, Köln 2022 Foto: Leonie Braun

Foto: N.Oxen

Mehr Infos:

Informationen zum modularen Begrünungssystem gibt es bei der BBA

Details zur Konstruktion und Materialwahl beschreibt das Architekturblatt

Die Ausstellung WEtransFORM wird auf der Website der Bundeskunsthalle vorgestellt

 

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