Wir denken so oft, dass nichts vorangeht, wenn wir es nicht vorantreiben. Tief in uns sitzt dieser Gedanke, dass Produktivität gleich Aktivität ist. Dabei kann vieles entstehen, wenn man den Dingen Zeit lässt. Brachen sind dafür ein gutes Beispiel. Auf unbearbeitetem Ackerland, in Mauerritzen und auf abgeernteten Feldern passiert etwas, das nicht von unserer Aktivität angetrieben wird. Es entsteht, weil wir die Natur in Ruhe lassen.
Altes agrarisches Wissen
Die Landwirtschaft weiß das schon lange. Im Mittelalter betrieben Bauern Dreifelderwirtschaft und ließen Felder brach liegen, damit der Boden sich erholt. Landwirtschaft arbeitet jeden Tag mit dem Verhältnis von Natur und Kultur – geprägt von Wetter und Jahreszeiten, mit einem anderen Zeitverständnis.
Selbst moderne Intensivlandwirtschaft, Kunstdünger und die Sucht nach Produktivität haben das alte agrarische Wissen um die Regeneration des Bodens nicht verdrängen können. Es gibt „Schwarzbrachen“, bei denen Bauern den Boden immer wieder umpflügen, damit er neue Nährstoffe aufnehmen kann. Auf „Stoppelbrachen“ lässt man die abgeernteten Pflanzen in der Erde stehen, damit sich Mikroorganismen davon ernähren und der Boden sich unter den Resten der Ernte erholen kann.
