Klimaresiliente Landwirtschaft: Bäume auf die Felder pflanzen

von | März 31, 2026

Philipp Gerhardt plant Agroforst- und Wassersysteme, die Bäume zurück auf den Acker bringen und damit klimaresiliente Landschaften schaffen, die Wasser halten und Erträge stabilisieren.

Du bist Forstwissenschaftler, arbeitest aber in für und mit der Landwirtschaft. Wie bist du dazu gekommen, Bäume auf Äcker zu pflanzen?

Das Thema Klimawandel hat mich schon als Kind erreicht – Anfang der 90er, durch das Computerspiel „Civilization“, in dem die Welt untergeht, wenn man seine Zivilisation zu stark entwickelt. Ich habe dann Forstwissenschaften studiert und im Waldumbau gearbeitet. Zur Landwirtschaft bin ich über die Frage gekommen, wie man eine klimafeste Nahrungsmittelproduktion aufbauen kann. Ab 2016 fragten die ersten Betriebe an, mit ganz konkreten Problemen: Bodenverlust, Dürre, Hitze, Wind.

Was steckt hinter dem Konzept der „Agroforstwirtschaft“?

Im Kern ist es Landwirtschaft mit Bäumen. Entscheidend ist, dass Gehölze mit landwirtschaftlichen Kulturen verzahnt sind – also mit Ackerbau, Grünland oder Tierhaltung. Nur eine Plantage reicht nicht, es muss sollte eine kombinierte Nutzung sein. Ein typisches System besteht aus Gehölzstreifen, etwa mit schnell wachsenden Pappeln für die Hackschnitzelproduktion, im Wechsel mit breiten Ackerstreifen. Die Gehölze bringen eine vertikale Struktur in die Landschaft und verändern dadurch das gesamte System, im Boden und in der Atmosphäre.

Kannst du das konkret machen, wie ergänzen sich Bäume und Acker gegenseitig?

 Im Boden bildet sich unter den Gehölzstreifen ein ungestörter Raum, in dem Bodenorganismen gedeihen. Die Regenwurmpopulation ist in Agroforstsystemen um ein Vielfaches höher als auf reinen Ackerflächen. Mehr Regenwürmer bedeuten mehr Humus und ein humusreicher Boden nimmt bei Starkregen mehr Wasser auf, fördert so die Grundwasserneubildung und verhindert Winderosion. Über der Erde wirken die Gehölzstreifen wie Kühlrippen: Sie bremsen den Wind und senken den Verdunstungsstress. In Ostbrandenburg wurden in solchen Systemen sechzehn Prozent Ertragssteigerung im Getreideanbau gemessen.

Jonas Drechsel, Foto von Emad Ette

Foto: privat

Über Philipp Gerhardt

Dr. Philipp Gerhardt ist Forstwissenschaftler und Gründer des Planungsbüros der Firma Baumfeldwirtschaft. Seit 2015 plant und realisiert er Agroforstsysteme und Keyline-Design-Projekte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und der Schweiz.

Er ist Gründungsmitglied des Deutschen Fachverbands für Agroforstwirtschaft und hat gemeinsam mit Sassa Franke das Buch „Langsames Wasser, kühlendes Grün“ im oekom Verlag veröffentlicht.

Das heißt, Agroforst hilft nicht nur der Natur, sondern stabilisiert auch die Erträge. Warum ist das gerade in Zeiten des Klimawandels so entscheidend?

 Rund 51 Prozent unserer Landfläche werden landwirtschaftlich genutzt und weil der Großteil davon gehölzfrei ist, werden sie zu riesigen Heizflächen. Agroforstsysteme sind nachweislich im Schnitt ein Grad kühler als offene Feldflur und das, ohne dass Produktivität verloren geht. Natürlich ist es wichtig, Naturschutzgebiete auszuweisen und Moore wiederzuvernässen, aber mit der Agroforstwirtschaft haben wir einen Ansatz, der sich ganz pragmatisch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen umsetzen lässt, ganz egal, ob sie konventionell oder ökologisch bewirtschaftet werden.

Du bist viel beratend und bei Projekten vor Ort unterwegs. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus und wo findest du dabei deinen schönsten Moment?

Mein Team und ich planen diese Systeme nicht nur, sondern wir setzen sie auch um. Wir arbeiten oft monatelang mit Betrieben zusammen, analysieren Flächen und begleiten die Umsetzung. Von Mitte März bis Ende Mai Während der typischen Pflanzzeiten im Herbst und Frühjahr bin ich dann sehr viel draußen, fahre mit meinem Team von Baustelle zu Baustelle, bin auf der Pflanzmaschine oder dem Bagger unterwegs, um Wasserläufe anzulegen.

Die schönsten Momente sind, wenn ein Landwirt erzählt, dass seine Kinder den Hof erst nicht übernehmen wollten, aber mit diesem Projekt ihre Meinung geändert haben. Oder wenn jemand berichtet, dass eine Quelle, die in den Dürresommern immer weniger Wasser geführt hat, wieder stärker fließt. Solche Beispiele zeigen, dass sich mit der Arbeit an der Landschaft auch das Denken verändert.

Mehr über das Konzept Klimalandschaft und viele konkrete Projekte in ganz Deutschland kann man in dem neuen Buch lesen, das Philipp Gerhard gemeinsam mit Sassa Franke im oekom Verlag veröffentlicht hat.

Im Blog habe ich das Buch ausführlich rezensiert.

Beitragsbild oben:

Fotograf: Foto von SIDHARTH PRAKASH: https://www.pexels.com/de-de/foto/flora-grune-blatter-bananenblatter-vertikaler-schuss-7679149/Foto von SIDHARTH PRAKASH: https://www.pexels.com/de-de/foto/flora-grune-blatter-bananenblatter-vertikaler-schuss-7679149/Foto von SIDHARTH PRAKASH: https://www.pexels.com/de-de/foto/flora-grune-blatter-bananenblatter-vertikaler-schuss-7679149/Philipp Gerhardt – Projekt „Wilmars Gärten“

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