Lea Albrecht arbeitet bei der Sparda-Bank München und kümmert sich dort um alles, was mit Nachhaltigkeit zu tun hat – von der CO2-Bilanz bis zur Nachhaltigkeitskommunikation. Im Interview erzählt sie, was Nachhaltigkeit bei einer Genossenschaftsbank bedeutet, wie Digitalisierung ihre Arbeit verändert und warum der Job einer Nachhaltigkeitsmanagerin in Zukunft ein anderer sein wird.
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Nachhaltigkeit bei einer Bank, was muss man sich darunter vorstellen?
Nachhaltigkeit hat in Unternehmen und auch bei einer Bank immer zwei Dimensionen. Die erste betrifft unseren eigenen Geschäftsbetrieb: Wir beziehen zu 100 Prozent zertifizierten Ökostrom, der Großteil unserer Mitarbeitenden kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zur Arbeit, und all das fließt jährlich in unsere CO2-Bilanz ein. Die zweite Dimension geht darüber hinaus: Wie gehen wir mit dem Geld unserer Kunden um? Wir haben feste Anlagekriterien, die bestimmte Investitionen ausschließen – etwa bei Menschenrechtsverstößen oder wenn ein wesentlicher Treibhausgasemittent keine Klimastrategie vorweisen kann. Über unsere Nachhaltigkeitsgrundsätze berichten wir transparent auf unserer Website.
Ihr bezeichnet euch als Gemeinwohl-Bank. Was bedeutet das konkret?
Wir sind zunächst eine Genossenschaftsbank. Das bedeutet, dass unsere Bank den Mitgliedern gehört, nicht anonymen Aktionären. Menschen aus Oberbayern kaufen Genossenschaftsanteile und sind direkt an unserem Erfolg beteiligt. Wir streben keine Gewinnmaximierung an, sondern handeln auch im Interesse der Menschen, der Umwelt und der Region. Dadurch ist der Nachhaltigkeitsgedanke tief verankert und kein Trend, an den wir uns kurz dranhängen. Konkret zeigt sich das beispielsweise in unserem Gewinnsparverein, über den wir Projekte unterstützen, bei denen das Gemeinwohl im Vordergrund steht. Und für jedes neue Mitglied pflanzen wir einen Baum in den Wäldern Oberbayerns. Bäume pflanzen klingt vielleicht erstmal nach einem Klischee, aber es sind mittlerweile über 100.000 und das ist ein ordentlicher Wald.
Foto: privat
Über Lea Albrecht
Lea Albrecht ist Referentin für Nachhaltigkeitsmanagement bei der Sparda-Bank München eG. Nach ihrem BWL-Studium im Bachelor, studierte sie im Master Wirtschaftsethik an der Ruhr-Universität in Bochum. Anschließend war sie bei einer Unternehmensberatung tätig und unterstützte Unternehmen bei ihrer nachhaltigen Transformation. Bei der Sparda-Bank München eG identifiziert sie strategische Handlungsfelder für die Bank und koordiniert die Themen entlang der regulatorischen Vorgaben und der Geschäftsstrategie.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung für eure Nachhaltigkeitsarbeit?
Digitalisierung ist ein großer Hebel, und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits helfen uns neue Tools, unseren CO2-Fußabdruck darzustellen und Fortschritte sichtbar zu machen. Manche dieser Anwendungen gibt es erst seit wenigen Monaten und sie entwickeln sich ständig weiter. Andererseits hilft Digitalisierung ganz konkret bei der Reduzierung unseres Fußabdrucks: Wenn am Ende eines Kundengesprächs kein Vertrag mehr ausgedruckt werden muss, sondern die Unterschrift digital erfolgt, spart das Unmengen an Papier. Für eine Bank, die kein produzierendes Unternehmen ist und bei der viel gedruckt wird, ist das ein großer Schritt. Gleichzeitig fahren wir bewusst zweigleisig: Unsere Filialen vor Ort sind sehr wichtig, denn wir wollen mit unserem Service auch Kund:innen erreichen und halten, die ohne Digitalisierung aufgewachsen sind.
Nachhaltigkeit betrifft alle Abteilungen. Wie nimmt man so unterschiedliche Menschen mit?
Man muss offen sein und Dinge auf das absolut Essenzielle runterbrechen können. Das ist in Terminen mit Fachabteilungen wichtig, denn die Fachabteilungen sind den ganzen Tag mit ganz anderen Themen beschäftigt. Es ist auch relevant in Meetings mit dem Vorstand, um strategische Handlungsempfehlungen auf den Punkt zu bringen. Mir hilft das, mich auf das Wesentliche zu fokussieren und pragmatisch zu bleiben.
Du hast als Beraterin viele Unternehmen begleitet und arbeitest jetzt selbst im Nachhaltigkeitsmanagement. Was würdest du an deinem Beruf gerne verändern?
Der Fokus muss sich wandeln – weg von reiner Berichterstattung, hin zu echter strategischer Transformation. Ursprünglich hat die EU-Regulatorik viele Unternehmen dazu gebracht, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen, und dafür wurden neue Stellen geschaffen. Aber perspektivisch reicht das nicht. Nachhaltigkeit muss so strategisch verankert sein, dass sie auch dann Bestand hat, wenn die Regulatorik Richtungswechsel vornimmt. Damit einher geht auch eine stärkere Datenkompetenz: Wenn Nachhaltigkeit in der Geschäftsstrategie verankert ist, müssen messbare Kennzahlen zugrunde liegen. Der Job wird digitaler, analytischer und genau das macht ihn zukunftsfähig.
Beitragsbild oben:
JUHASZIMRUS (pexels)
