CO2-Reduktion: Vom Messen zum Machen
Nachhaltigkeit rechnet sich – ökologisch und ökonomisch. Harriet von Kügelgen hat mit ihrem Berliner Climatech-Startup dauri eine Plattform gegründet, die Unternehmen hilft, CO2-Emissionen zu messen und durch gezielte Maßnahmen zu reduzieren.
—
Harriet, wie bist du dazu gekommen, ein Climatech-Startup zu gründen?
Nachhaltigkeit und CO2-Bilanzierung haben mich in ganz verschiedenen Kontexten beschäftigt. Nach meiner Arbeit bei Tesla habe ich einen Master in Carbon Management gemacht, weil ich wirklich verstehen wollte: Woher kommen die Emissionen und welche wirtschaftlichen Hebel gibt es? Dabei habe ich festgestellt, dass vielen Unternehmen zwar klar ist, dass sie etwas tun müssten, aber nicht, welche konkreten Lösungen es gibt – und ob es sich auch rechnet. Genau da setzt dauri an.
Was macht dauri und was unterscheidet euch von klassischer Reporting-Software?
Die meisten Tools am Markt helfen Unternehmen, ihre Emissionen zu messen und zu bilanzieren. Das ist ein wichtiger erster Schritt. Aber wenn man die Zahlen hat, sollte man auch die richtigen Schlüsse daraus ziehen und Maßnahmen ergreifen, die den eigenen CO2-Ausstoß effektiv reduzieren.
Wir helfen Unternehmen, von der Bilanzierung in die Praxis zu kommen: Was kannst du an deinen Standorten konkret tun, um Emissionen zu senken? Das reicht von smarten Heizthermostaten über LED-Umrüstung bis zu Prozessoptimierungen. Wie hoch sind die Investitionen dafür und wann amortisieren sie sich? Wir liefern konkrete Business Cases, damit Unternehmen nicht nur wissen, wo sie stehen, sondern auch, wohin sie gehen können. Am Ende erstellen sich Unternehmen einfach einen profitablen Fahrplan, den sie in der Software dann auch managen.
Foto: privat
Über Harriet von Kügelgen
Harriet von Kügelgen ist Co-Gründerin und Co-CEO von dauri, einem Berliner Climatech-Startup, das Unternehmen dabei unterstützt, Emissionsreduktion in wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen zu übersetzen. Zuvor war sie bei Tesla tätig und hat das Climate-Tech/Space-Tech-Startup AIRMO mitgegründet.
Sie hat International Business an der Maastricht University und Carbon Management an der University of Edinburgh studiert. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Finanzökonomik und Emissionsmanagement, um Dekarbonisierung für Unternehmen profitabel umsetzbar zu machen.
Viele Unternehmen denken beim Thema Nachhaltigkeit an Bürokratie und zusätzliche Kosten. Was antwortet ihr?
Wenn man Emissionsreduktion richtig angeht, ist sie automatisch Ressourceneffizienz und damit Kostenreduktion. Allein in Deutschland gibt es ein unausgeschöpftes Potenzial von 25 Milliarden Euro pro Jahr durch einfache Energieeffizienzmaßnahmen in Unternehmen. Das ist Geld, das buchstäblich auf der Straße liegt.
Ein Beispiel: Ein Kunde mit 50 Filialstandorten hat fünf einfache Maßnahmen umgesetzt: LED-Umrüstung, smarte Heizthermostate, Luftvorhänge an den Eingängen. Klingt nach Kleinigkeiten, aber allein die LED-Umrüstung bringt bis zu 90 Prozent mehr Energieeffizienz. Über alle Standorte gerechnet spart das Unternehmen damit 500.000 Euro im Jahr, bei einem Return on Invest von knapp unter zwei Jahren.
Trotzdem gibt es gerade einen „ESG-Backlash“. Woher kommt der, wenn das alles so viel Sinn macht?
Das Thema Klimaschutz wurde lange sehr einseitig kommuniziert, nach dem Motto: Es kostet, aber wir müssen es machen. Dabei wurden wichtige Argumente vergessen — Preissicherheit, Autonomie, Resilienz. Erneuerbare Energien sind langfristig günstiger und reduzieren geopolitische Abhängigkeiten. Die Wiederwahl von Trump, die Europawahl und die Abschwächung der EU-Reporting-Standards durch das Omnibus-Paket – politisch scheint es gerade, als werde Nachhaltigkeit zurückgefahren. Viele Unternehmen setzen ihren Weg aber weiter fort: 83 Prozent der globalen Unternehmen haben letztes Jahr ihre Nachhaltigkeitsinvestitionen erhöht. Sie sprechen nur weniger darüber.
Welche Rolle kann KI im Nachhaltigkeitsreporting spielen?
Bei der Datensammlung in Unternehmen hilft KI wenig, wenn die Grundlagen nicht stimmen – wenn Daten nicht strukturiert aufbereitet und mit möglichst wenig Medienbrüchen über verschiedene Systeme zugänglich sind. Unternehmen müssen erst ihre Hausaufgaben bei der Datenarchitektur machen, damit KI-gestützte Datenanalyse wirklich Mehrwert schaffen kann. Wir nutzen KI, um Unternehmensdaten mit unserer Maßnahmendatenbank abzugleichen und so schneller und zielgenauer die richtigen Reduktionsmaßnahmen für ein bestimmtes Unternehmen zu identifizieren.
Die drei Scopes einer CO2-Bilanz
Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) ist der weltweit meistgenutzte Standard zur Berechnung von Treibhausgasemissionen. Es unterteilt die Emissionen eines Unternehmens in drei Kategorien:
Scope 1 – Direkte Emissionen: Alle Treibhausgase, die direkt im Unternehmen entstehen, etwa durch eigene Produktionsanlagen, Heizkessel oder firmeneigene Fahrzeuge.
Scope 2 – Eingekaufte Energie: Indirekte Emissionen, die beispielsweise durch den Bezug von Strom oder Fernwärme entstehen. Sie werden dem Unternehmen anteilig zugerechnet, abhängig vom Energiemix des jeweiligen Stromanbieters.
Scope 3 – Vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette: Die umfangreichste und komplexeste Kategorie. Sie umfasst 15 Unterkategorien, darunter eingekaufte Materialien und Dienstleistungen, Geschäftsreisen, Pendelwege der Mitarbeitenden
Beitragsbild oben:
Fotograf: Foto von SIDHARTH PRAKASH: https://www.pexels.com/de-de/foto/flora-grune-blatter-bananenblatter-vertikaler-schuss-7679149/Foto von SIDHARTH PRAKASH: https://www.pexels.com/de-de/foto/flora-grune-blatter-bananenblatter-vertikaler-schuss-7679149/Foto von SIDHARTH PRAKASH: https://www.pexels.com/de-de/foto/flora-grune-blatter-bananenblatter-vertikaler-schuss-7679149/Sidharth Prakash (pexels)








