Über Medien und Ökologie

Über Medien und Ökologie

Smartphones tracken unsere Körper, Computer errechnen Klimaprognosen, in Unternehmen entstehen digitale Ökosysteme, KI-Rechenzentren und Smartphones fressen Strom, Wasser und seltene Erden. Hennig Schmidgen, Professor für Wissenschaftsgeschichte und Medientheorie, erklärt wie sich die ebenso konkrete wie exotische Beziehung von Medien und Ökologie durchdenken lässt.

Medienökologie ist ein kleines, besonderes Forschungsfeld innerhalb der Medienwissenschaften. Wie wird das Verhältnis von Medien und Ökologie dabei erforscht?

Medialität und Ökologie zusammen zu denken, hat eine lange Tradition. Ein wichtiger Bezugspunkt ist Neil Postman, bekannt durch seinen medienkritischen Bestseller „Wir amüsieren uns zu Tode“. Er hatte in den 80er Jahren an der New York University eine Professur für „Media Ecology“ und hat sehr früh damit begonnen, die Umweltlichkeit von Medien zu beschreiben. Sein kritischer und stark normativer Blick richtete sich dabei auf das Fernsehen, das er nicht als technischen Apparat oder Massenmedium verstanden hat, sondern auf die Räume und Umgebungen eingegangen ist, die um das Fernsehen herum entstehen.

Ein anderer wichtiger Autor ist Matthew Fuller, der in den 90er und 2000er Jahren in ähnlicher Weise angefangen hat, sich mit den technischen Umwelten zu beschäftigen, die Medien etablieren. Er argumentiert dabei weniger normativ als Postman und konzentrierte sich sehr technisch auf die Produktionsbedingungen beispielsweise mit Blick auf freie Radiosender.

Dass technische Medien eigene Umwelten ausbilden, ist eine interessante und sehr experimentelle Übertragung des Umweltbegriffs. Was ist mit der Ökologie als Teil der Biologie?

Das ist richtig. Begriffe zu übertragen und neu zu verwenden, generiert neue Beschreibungsmöglichkeiten, beispielsweise für unsere „smarten“ digitalen Lebenswelten. Dabei ist es immer wichtig, diesen Einsatz von Begriffen zu hinterfragen und sie nicht zu modischen, unreflektierten Begriffen werden zu lassen. Im IT-Bereich ist heute allerorten von „Ökosystemen“ die Rede, um die Ubiquität und Vernetztheit digitaler Infrastrukturen zu beschreiben. Was der Begriff eigentlich bedeutet und was er beschreiben kann, bleibt dabei weitestgehend unreflektiert.

In Weimar entwickeln wir einen Masterstudiengang im Forschungsfeld Medienökologie und wollen uns neben den technischen Umwelten, die Medien ausbilden, auch mit der Begriffs- und Wahrnehmungsgeschichte der Ökologie als Wissenschaft beschäftigen. Dabei geht es darum, mit welchen technischen Medien die Ökologie ihr Wissen gewinnt, aber beispielsweise auch darum, wie stark Medien unser Verständnis der Natur prägen.

Die NASA-Fotos vom blauen Planeten haben nachweislich dazu beigetragen, ökologisches Bewusstsein zu fördern. Auch die Modellierung von Klimaentwicklungen ist ohne Computer undenkbar – ein technisch medialer Sachverhalt mitten in der Klimaforschung. Der Club of Rome hat ganz stark mit Modellen gearbeitet, um seine Prognosen über die „Grenzen des Wachstums“ zu erarbeiten.

Über Henning Schmidgen

Prof. Dr. Henning Schmidgen ist ausgebildeter Psychologe, Wissenschaftshistoriker und Medientheoretiker. Seit 2014 ist er Professor für Medientheorie und Wissenschaftsgeschichte an der Bauhaus-Universität Weimar. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medientheorie, Historische Epistemologie, Wissenschaftsgeschichte, Technikphilosophie und Maschinenkunst. Neben seinen umfangreichen wissenschaftlichen Publikationen hat er Aufsätze und Materialien zu Félix Guattari herausgegeben und übersetzt.

Die Medienwissenschaft arbeitet also mit einem sehr breiten Verständnis von „Medien“. Wie hängen der Medienbegriff und der Ökologiebegriff historisch miteinander zusammen?

 Natürlich denken die meisten von uns bei „Medien“ immer noch an „Massenmedien“ wie Radio, Internet, Fernsehen und die Presse. Der Medienbegriff hat aber eine lange und vielschichtige Entwicklung durchlaufen. Zunächst einmal sind Medien etwas Vermittelndes oder Dazwischenstehendes. Im späten 18. Jahrhundert wurden als Medien der Äther oder Fluida verstanden, die als Trägermedien Signale transportieren, also das Licht, das Wasser oder die Luft, die Signale zu uns tragen. Interessant ist, dass es schon hier mit diesen Elementen um natürliche Umwelten geht.

Historisch lässt sich dann gut nachvollziehen, wie der Begriff aus der Physik in die Biologie gewandert ist. Bei Biologen wie Cuvier und vor allem bei Lamarck im 19. Jahrhundert wurde daraus ein Umweltbegriff, bei dem die Umwelt Nahrung – Licht, Wasser – bereitstellt, um Organismen ihr Überleben zu sichern. Der Begriff „Ökologie“ wurde in den 1860er Jahren von Ernst Haeckel geprägt und bezog sich bei ihm auf das Zusammenleben unterschiedlicher Tierspezies in einer bestimmten abgegrenzten Gegend – das, was wir heute als Ökosystem bezeichnen würden.

Faszinierend ist, dass Alexander von Humboldt – neben Haeckel vielleicht der Begründer der Ökologie – einer der ersten war, der dieses vernetzte Verständnis von Natur erprobte. Er interessierte sich nicht nur für das, was er als Netzwerke der Natur bezeichnete, sondern auch für die technischen Medien, mit denen sich dieses Wissen visualisieren ließ – farbige Illustrationen und Dioramen.

Félix Guattari ist mit seinem Buch „Die Drei Ökologien“ einer der wichtigen Vordenker, mit dem du dich beschäftigt hast. Kannst du die drei Ebenen seiner „Ökosophie“ kurz skizzieren?

Das stimmt, ich halte die Arbeiten von Félix Guattari für einen wichtigen und sehr aufschlussreichen Denker für viele Fragen, die uns heute betreffen. In den Medien- und Kulturwissenschaften ist er als Ko-Autor und Freund von Gilles Deleuze bekannt. Ihn als eigenständigen Denker wahrzunehmen, ist eher eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte.

Guattari war Psychoanalytiker, Aktivist und Philosoph und hat zum Ende seiner Laufbahn – 1989, er war da um die 60 Jahre und starb wenig später, vollkommend überraschend – das Buch „Die drei Ökologien“ geschrieben. Darin stellt er eine These auf, die für uns heute enorm relevant ist. Sie lautet kurzgefasst: Wenn wir uns wirklich dem Klimaproblem und der Umweltverschmutzung stellen wollen, reicht eine Ökologie, die sich um die Frage der Natur dreht, nicht aus. Wir brauchen mindestens zwei weitere Ökologien, die unsere Formen des Zusammenlebens und unsere psychische und mentale Konstitution betreffen.

Erstens ist da die Umweltökologie. Die Probleme, die Guattari hier nennt, sind Fragestellungen der 80er Jahre: vor allem Umweltverschmutzung, zum Teil schon Erderwärmung, aber auch das Ozonloch. Das Interessante ist, dass dies von vornherein im Verbund mit vielen anderen Fragen gedacht wird. Guattari war Mitte der 80er in der damals erst in Frankreich entstehenden Partei der Grünen engagiert und hatte beispielsweise Kontakt und Austausch mit Daniel Cohn-Bendit. Man sollte diese explizit grüne Ausrichtung aus meiner Sicht aber nicht überbewerten. An den „Drei Ökologien“ ist vielmehr das Zusammendenken von Ökologischem, Sozialem und Psychischem interessant.

Zweitens geht es Guattari um eine soziale Ökologie, um eine Ökologie des Gesellschaftlichen. Guattari versteht darunter einerseits die alltägliche Qualität des Zusammenlebens. Seine Kritik daran ist, wie auch bei Deleuze, ganz klar von einer marxistischen Gesellschaftskritik geprägt. Es geht dabei immer um die Frage, wie wir uns die Natur und ihre Ressourcen durch Arbeit aneignen. Bei zeitgenössischen Autoren wie Kohei Saito steht diese ökologische Lesart des Marxismus wieder im Vordergrund. Das erscheint mir sehr interessant und relevant für heutige Fragestellungen.

Die dritte Ebene betrifft die mentale oder geistige Ökologie. Als Psychoanalytiker, der sein Leben lang in der psychiatrischen Klinik von La Borde arbeitete, fordert Guattari eine Ökologie des Subjekts. Damit meint er die Fähigkeit von Subjekten, der Herausforderung der Andersartigkeit des Anderen zu begegnen, der anders tickt und funktioniert, der eine andere Meinung hat. Guattari war überzeugt, dass es darum geht, diese Andersheit auf allen Ebenen zu kultivieren, damit Subjektivität nicht eindimensional bleibt, sondern sich weiterentwickeln kann. Ihm geht es um Singularität als die unreduzierbare Einzigartigkeit des Individuums.

Das heißt, für Guattari wäre die Klimakrise keine allein ökologische Krise, sondern eng verbunden mit kapitalistischer Ausbeutung natürlicher Ressourcen und einer Verarmung sozialer Beziehungen, einer Erosion politischer Institutionen und den damit verbundenen psychischen Problemen des Einzelnen. Wenn wir Antworten oder Lösungen suchen, müssen wir aus seiner Sicht die verschiedenen Ebenen der drei Ökologien in den Blick nehmen.

Dieser von Henning Schmidgen herausgegebene Sammelband skizziert anhand von fünf Gesprächen den Lebensweg des Psychaters, Aktivisten und Philosophen Félix Guattari (1930-1992). Ein guter Zugang zum Denken des Autors von „Die Ökologien“, in dem Guattari die drei Ebenen seiner „Ökosophie“ auffächert.

Der Band ist 2019 im Merve Verlag erschienen.

Theoretische Reflexion ist wichtig, aber was kann medienökologisches Denken angesichts der gegenwärtigen politischen Fragen der Klimakrise leisten?

Ein wichtiges Argument der Medienwissenschaft war und ist es, die materielle und technische Dimension von Medien in den Blick zu nehmen und sie als eine der Grundlagen für die Wirkung von Medien zu betrachten. Dabei ist die Medienwissenschaft aber nicht weit genug gegangen, denn sie hat zwar den Konnex von Technik und Kultur bearbeitet, aber noch nicht tief genug nach den Ressourcen gefragt, aus denen unsere digitale Kultur besteht.

Der finnische Medienwissenschaftler Jussi Parikka hat das mit seinem Buch „A Geology of Media“ nachgeholt und die Formen und Grundlagen unserer digitalen Welt durchdekliniert – von den Machtformationen aus Smartphones und sozialen Medien bis zur Geopolitik seltener Erden. Jennifer Gabrys hat ähnlich kritisch und mit akribischer Empirie über „Digital Rubbish“ geschrieben, den Elektroschrott, den unsere nur vorgeblich so körperlos wirkende digitale Welt auf zahlreichen Halden im globalen Süden hinterlässt. Beide Bücher sind klug, kritisch, exzellent geschrieben und eignen sich gut für alle, die sich mit dem Thema Medienökologie beschäftigen möchten.

Zum Weiterlesen:

Jussi Parikka, A Geology of Media, University of Minnesota Press, Minneapolis, 2015

Jennifer Gabrys, Digital Rubbish: A Natural History of Electronics, University of Michigan Press, Ann Arbor, 2011

Matthew Fuller, Media Ecologies: Materialist Energies in Art and Technoculture, MIT Press, Cambridge, MA, 2005

Florian Sprenger, Epistemologien des Umgebens: Zur Geschichte, Ökologie und Biopolitik künstlicher environments, transcript Verlag, Bielefeld, 2019

Florian Sprenger / Petra Löffler (Hrsg.), Medienökologien, Zeitschrift für Medienwissenschaft 17 (2/2017), diaphanes, Zürich/Berlin, 2017

 

Beitragsbild oben:

Ernst Haeckel – Kunstformen der Natur (1904), plate 85: Ascidiacea

(Gemeinfrei, Wikimedie commons)

Rewilding – Ein Konzept für Naturschutz und Regionalentwicklung

Rewilding – Ein Konzept für Naturschutz und Regionalentwicklung

Wisente, Wölfe und Wirtschaftswachstum – geht das zusammen? Im Oderdelta an der deutsch-polnischen Grenze hat das Forschungsprojekt REWILD_DE erforscht, wie Naturschutz und Regionalentwicklung voneinander profitieren können. Projektkoordinatorin Stephanie Jahn erzählt, warum „Wiederverwilderung“ der Natur und den Menschen in der Region gut tut.

Was unterscheidet Rewilding eigentlich vom klassischen Naturschutz?

Es gibt unterschiedliche Rewilding-Verständnisse. Während traditionelle Rewilding-Konzepte oft auf die Wiederherstellung bestimmter historischer Naturzustände abzielen, sind moderne Rewilding-Ansätze eher prozessorientiert. Sie fokussieren auf die Stärkung ökologischer Funktionen und die miteinander verflochtene Entwicklung von natürlichen und gesellschaftlichen Lebensräumen.

Rewilding greift viele etablierte Naturschutzmaßnahmen auf, setzt aber neue Akzente und eröffnet die Möglichkeit, bestehende Maßnahmen aus anderen Perspektiven zu betrachten, neu zu verknüpfen und vor allem neue Akteurskonstellationen zusammenzuführen.

Rewilding kann auch außerhalb von abgeschlossenen Schutzgebieten stattfinden. Wir verstehen Rewilding als einen Ansatz, der zu einem vielfältigen Landschaftsmosaik mit unterschiedlichen Nutzungsintensitäten führt – von Schutzgebieten über naturnahe bis zur intensiven Landwirtschaft. Das Ziel sind sich selbst erhaltende und widerstandsfähige Ökosysteme, die auch in von Menschen genutzten Räumen funktionieren.

Foto von Stephanie Jahn - Projektkoordinatorin von Rewild_De

Über Stephanie Jahn

Stephanie Jahn ist Soziologin und promovierte Nachhaltigkeitswissenschaftlerin. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Forschung und Praxis und befasst sich damit, wie inter- und transdisziplinäre Ansätze gesellschaftlichen Wandel unterstützen können.

Wie ist das Forschungsprojekt entstanden und warum habt ihr das Oderdelta untersucht?

Der Verein Rewilding Oderdelta ist auf das Umweltforschungszentrum zugekommen, weil das Forschungsministerium Projekte zur Artenvielfalt gefördert hat. Sie haben wissenschaftliche Unterstützung für ihre Arbeit gesucht. Das Oderdelta bot sich als Fallstudiengebiet an, weil es eine von elf europäischen Rewilding-Regionen ist, die von dem Netzwerk Rewilding Europe ausgewiesen wurden.

Die Region verfügt über drei große Naturparks – Stettiner Haff, Flusslandschaft Peenetal und Insel Usedom. Dort gibt es dichte Wälder, weite Feuchtgebiete und wenig verbaute Küsten. Diese vielfältige Natur ist Lebensraum für die sogenannten „Big Seven“: Seeadler, Biber, Wolf, baltischer Stör, Kegelrobbe sowie Elch und Wisent – wobei die letzten beiden bisher nur auf polnischer Seite leben.

Besonders beeindruckend war für mich auch der Anklamer Stadtbruch. Dort ist vor einigen Jahren ein Deich gebrochen, seitdem stehen ein Waldstück und ehemalige landwirtschaftliche Flächen unter Wasser – ein Paradies für Vögel und Seeadler.

Wie habt ihr die Menschen vor Ort eingebunden?

Der Verein Rewilding Oderdelta war unser Türöffner vor Ort. Sie hatten bereits etablierte Kontakte zu vielen regionalen Akteuren, etwa aus der Kommunalpolitik, zum Bauernverband oder auch zu lokalen Unternehmen – diese Vernetzung war absolut entscheidend für unsere Arbeit. In unseren qualitativen Interviews haben wir festgestellt: Die Menschen schätzen ihre Landschaft, zeigen aber durchaus Skepsis gegenüber klassischen Naturschutzkonzepten, die gerade für die Landwirtschaft eine Herausforderung sind.

Uns war es sehr wichtig, die Menschen vor Ort einzubinden. Deshalb haben wir verschiedene Partizipationsformate entwickelt: Landschaftsspaziergänge, Szenarien-Workshops, Diskussionsrunden – sogar einen Liederabend haben wir veranstaltet, um das Thema auch emotional erfahrbar zu machen. Die zentrale Frage war immer: In welchen Landschaften wollen wir zusammen leben?

Mit einem Biobetrieb im Dorf Rothenklempenow haben wir ein Projekt gestartet, wie sich Landwirtschaft noch naturnäher gestalten lässt. Ein kleines Beispiel dafür sind die Randstreifen entlang der Äcker. Anstatt sie jedes Jahr raspelkurz zu mähen, kann man die Pflanzen dort wachsen lassen oder Büsche pflanzen. Das verbessert den Wasserhaushalt, spendet Schatten auf Weideflächen und schafft gleichzeitig Wildtierkorridore.

Cover/Ansicht - Rewilding Oderdelta - Ein Werkstattbuch, oekom Verlag, 2025

Johannes Schiller (Hrsg.), Uta Berghöfer (Hrsg.), Stephanie Jahn (Hrsg.) „Rewilding am Oderdelta. Landschaften gemeinsam gestalten. Ein Werkstattbuch“, oekom Verlag, 2025.

 

Ökologie und Ökonomie – Wie geht das im Oderdelta zusammen?

Unsere regionalwirtschaftliche Analyse hat gezeigt: Es gab bisher wenige Unternehmen, die aus dieser atemberaubenden Naturlandschaft nachhaltige Geschäftsmodelle oder naturnahen Tourismus abgeleitet haben. Wir haben aber Leuchtturm-Beispiele gefunden – naturnahe Fischerei mit „Sea Ranger“-Touren, Nature Guides oder ein energieautarkes Hotel.

In unserer Unternehmensumfrage hat sich herausgestellt: Die meisten kannten weder das Rewilding-Konzept noch wussten sie, dass sie in einer europäischen Rewilding-Region ansässig sind. Trotzdem sehen viele der Befragten Potenzial in einer wilderen Natur – fürs Marketing, neue Kundengruppen oder um Touristen ins Küstenhinterland zu locken statt direkt an die Ostsee.

Der Verein Rewilding Oder Delta hat auch einen Landscape Business Plan mit konkreten Ideen entwickelt: Naturtourismus, Produkte aus Holz, Beeren und Pilzen, extensive Weidehaltung auf wiedervernässten Flächen, Bildungsangebote und perspektivisch die Zertifizierung von CO2-Einsparungen. Besonders die Moorwiedervernässung hat enormes Potenzial – trockengelegte Moore verursachen 7,5 Prozent des deutschen CO2-Ausstoßes. Das erfordert natürlich drastische Nutzungsumstellungen in der Landwirtschaft, aber der Klimaschutzeffekt wäre enorm.

Wie fügt sich eure Arbeit in die aktuelle Naturschutzpolitik ein?

Das europäische Nature Restoration Law fordert, bis 2030 zwanzig Prozent der Land- und Meeresflächen zu renaturieren. Aktuell befinden sich fast 70 Prozent der Lebensräume in Deutschland in unzureichendem bis schlechtem Zustand. Der etablierte Naturschutz ist in den letzten Jahren an seine Grenzen gestoßen – neue Schutzgebiete auszuweisen ist immer schwieriger geworden.

Mit einem ganzheitlichen Verständnis von Rewilding, das regionale Bedarfe einbezieht, hoffen wir, wieder mehr Handlungsspielraum zu schaffen, auch weil wir Natur und Gesellschaft stärker zusammendenken. Unser Werkstattbuch dokumentiert diese Erfahrungen für alle, die sich für Rewilding interessieren und ähnliche Konzepte vielleicht auch in ihrer Region umsetzen möchten.

Mehr Infos:

Informationen zum Verein Rewilding Oder Delta und dem Netzwerk Rewilding Europe

Zum Projekt Rewild_De: Das Werkstattbuch mit allen Projekten und Ergebnissen ist im oekom Verlag erschienen.

 

Beitragsbild oben: Foto von Florian Möllers / Rewilding Europe
Der Sound des Klimawandels

Der Sound des Klimawandels

Ludwig Berger ist Klangkünstler. Seine Installationen und Performances machen unhörbare Prozesse in der Natur akustisch erfahrbar – von schmelzenden Gletschern bis zu den Vibrationen von Insekten. Im Interview erklärt er, warum gerade Sound uns neue Perspektiven auf ökologische Zusammenhänge eröffnet.

„Sound Art“ oder „Klangkunst“ – das ist ein sehr offener Begriff. Was machst du genau und wie bist du dazu gekommen?

Mir gefällt gerade dieses Offenheit, denn ich mache viele verschiedene Dinge, die mit Sound zu tun haben wie Klanginstallationen, Radiostücke, Performances, Hörspaziergänge oder Tonträger. Um es auf den Punkt zu bringen, könnte man vielleicht sagen, dass ich mit aufgenommenen Klängen arbeite, die (noch) nicht Musik sind.

Mein Hintergrund ist die elektroakustische Komposition, die ich in an der Hochschule für Musik Weimar studiert habe. Dort lernt man, wie man mit aufgenommenen Klängen komponiert – das hat seine Wurzeln in der Musique concrète der 50er Jahre. Die Idee war, mit dem Material der realen Welt Musik zu erschaffen. Aber mich hat von Anfang an der Kontext der Klänge interessiert. Während meine Kommiliton:innen abstrakte Collagen machten, haben mich Orte fasziniert – ihre Identität und wie man diesen Kontext als Teil der Komposition behandeln kann.

Das Foto zeigt den Soundkünstler Ludwig Berger auf dem Morteratsch Gletscher

Foto: Lutz Stautner und Philipp Becker.

Wie gehst du dabei vor? Wie näherst du dich einem Ort an?

Mich interessiert weniger, Klänge von unterschiedlichsten Orten zu sammeln. Ich arbeite lieber mit wenigen Orten, die ich dafür regelmäßig besuche und immer besser kennenlerne. Es geht mir darum, eine Beziehung zu entwickeln und in die Tiefe zu gehen.

Ich habe eine ganze Palette an Mikrofonen dabei: Hydrofone für Unterwasseraufnahmen, Kontaktmikrofone, die ich an Pflanzen klebe, elektromagnetische Sensoren für Strahlungsfelder. Und ich versuche nicht puristisch vorzugehen – meine eigene Präsenz filtere ich nicht heraus, sondern arbeite produktiv damit. Im Moor zum Beispiel grabe ich Mikrofone in den Torf ein und stelle mich darauf, verlagere langsam mein Gewicht. Das komprimiert und dekomprimiert das Moos – es klingt wie Atmen. Die Mikrofone werden zu einem Körper, der zwischen mir und der Landschaft vermittelt.

Das Foto zeigt den Soundkünstler Ludwig Berger auf dem Morteratsch Gletscher

Foto: Bruno Augsburger

Über Ludwig Berger

Ludwig Berger ist Klangkünstler und erforscht die akustischen Dimensionen von Landschaften. Er studierte elektroakustische Komposition in Weimar und arbeitete bis 2022 am Institut für Landschaftsarchitektur der ETH Zürich. Seine Projekte „Crying Glacier“ dokumentiert den schmelzenden Morteratsch-Gletscher, „Photosynthetic Beats“ macht Photosynthese hörbar. Für die Architekturbiennale Venedig schuf er „Ecotonalities“, eine Installation über die Klangwelten technischer Infrastrukturen und ihre ökologischen Übergangszonen. Berger kollaboriert mit Biolog:innen zur vibrationalen Kommunikation von Insekten.

Warum ist gerade Sound ein so interessantes Medium für das Verhältnis zwischen Mensch und Natur?

Durch das Hören kann man sehr viel über seine Umgebung lernen. Ich mag diesen Moment des Staunens – wenn man plötzlich etwas hört, wo man nie gedacht hätte, dass es so klingt. Man kann nicht sehen, wie viele Insekten auf einer Wiese sind, aber man hört ziemlich schnell, wie lebendig sie ist, wenn man durch die Arbeit am Sound die Wahrnehmung und den Maßstab verändert.

Was mich besonders fasziniert: Je kleiner die Dinge sind, umso größer klingen sie oft. Sobald man ganz nah dran ist, füllt es plötzlich den ganzen Klangkörper. Bei der vibrationalen Kommunikation von Insekten zum Beispiel – Läuse sind unglaubliche Sänger, sie singen melancholische Lieder, von denen wir nichts hören, weil sie in einem anderen Medium kommunizieren. Mit Laser-Doppler-Vibrometern kann man alle Signale hören, die in einer Pflanze übertragen werden. Da tut sich eine ganz neue Welt auf.

 

Du hast über mehrere Jahre dem Morteratsch-Gletscher beim Schmelzen zugehört. Wie kam es dazu und was hast du dort entdeckt?

Das Projekt begann 2016 als Kurs an der ETH Zürich. Wir wollten den Klimawandel hörbar machen anhand von etwas, was direkt vor unserer Haustür ist. In der Schweiz sind die Gletscher landschaftsprägend – und sie verschwinden.

Ich gehe auf den Gletscher und lasse Unterwassermikrofone in wassergefüllte Spalten. In dem Moment ist man wie mit dem ganzen Gletscher verbunden – wie ein Stethoskop, mit dem man den Körper abhört. Man hört Tropfen, Fließen vom Schmelzwasser, tiefe Schläge und Knacken vom Eis. Aber die Klänge, die mich am meisten interessieren, kommen von Luftblasen, die im Eis eingeschlossen sind – teilweise hunderte Jahre alte Luft. Wenn diese Bläschen schnell genug austreten, entstehen Melodien, die wie elektronische Musik klingen, wie Vogelgezwitscher oder menschliche Stimmen.

Seit ich 2016 angefangen habe, muss ich jetzt eine gute halbe Stunde mehr den Berg hochgehen, um überhaupt zum Gletscher zu gelangen. Die Stelle, wo ich vor zwei Jahren aufgenommen habe, ist nur noch eine Steinwüste. An einem heißen Sommertag können eine Million Tonnen Eis abschmelzen. Diese Wassermassen spürt man – der Gletscher hinterlässt eine Wüste, wo immer wieder Geröll runterkracht. Es hat noch diese hochalpine, kristalline Schönheit, aber man merkt auch, wie alles zusammenbricht.

Das Foto zeigt den Soundkünstler Ludwig Berger bei Aufnahmen für seine Klanginstallation Ecotonalities

Foto: Valentin Bansac

In deinem Projekt „Ecotonalities“ für den Luxemburger Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig untersuchst du die Klangwelten technischer Infrastrukturen. Was war die Idee dahinter?

Wir haben Datenzentren, Satellitenanlagen, schwimmende Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen in Luxemburg aufgenommen – diese neue Landschaft, die sehr im Kommen ist. Es ging darum, ein Gefühl dafür zu bekommen: Wie klingt überhaupt ein Datenzentrum? Aber auch das Verhältnis dieser Orte zu ihrer Umgebung zu untersuchen.

Ich bin auf den Begriff des „Ökotons“ gestoßen – in der Ökologie bezeichnet das eine Übergangszone zwischen zwei Ökosystemen. Wir haben das verwendet für die Übergangszonen zwischen menschlicher Infrastruktur und den umliegenden Ökosystemen. Während man visuell klare Grenzen hat zwischen diesen Territorien, ist es akustisch viel mehr überlappend.

Am Satellitenpark, wo menschliche Daten übertragen werden, hört man Schwärme von Staren – das klingt wie Radiosignale. Es geht mir darum, diese Parallelität zu zeigen: dass es auch bei Tieren Energieproduktion und Datenübertragung gibt. Aber auch klarzustellen, dass bestimmte Machtverhältnisse im Klang hörbar sind. In der Bioakustik spricht man von Klang als Ressource – Tiere sind angewiesen auf akustische Kommunikation. Die Ressource ist quasi die Stille. Sobald wir Klänge produzieren, ist diese Ressource nicht mehr da für andere.

Wie erleben Menschen deine Installationen?

Bei „Ecotonalities“ betritt man einen abgedunkelten Raum mit 24 Lautsprechern. In der Mitte ist eine Plattform mit Vibrationslautsprechern, die die Plattform in Schwingung bringen. Die Leute legen sich darauf und hören die Klänge nicht nur, sondern spüren sie im ganzen Körper – wenn eine Heuschrecke in einem Grashalm vibriert, vibriert die ganze Plattform.

Die Reaktionen reichen von körperlich bis sehr emotional. Beim Gletscherprojekt beschreiben Leute, dass sie anfangen zu weinen. Wir geben Gefühlen, die mit dem Klimawandel zu tun haben, oft nicht genügend Raum. Wenn man sich wirklich hinsetzt und genau hört, was gerade passiert, ist es erschreckend – aber es hat auch etwas Verbindendes. Viele sind dankbar für diesen Raum, auch um zu trauern. Aber mir ist wichtig, dass es nicht nur schwer ist – es gibt auch leichte, lustige Momente. Manche Gletscherklänge erinnern an Körpergeräusche, bei den Insekten gibt es sehr lustige Klänge. Es soll auch etwas Unterhaltsames haben.

Mehr Infos:

Auf Ludwig Bergers Website finden sich alle Infos und Bilder zu seinen Arbeiten und Projekten.

Mehr Bilder zu der Installation „Ecotonalities“ gibt es auf der Seite der Venedig Biennale 2025.

Die New York Times hat „Crying Glacier“ in ihre Dokumentarfilmplattform aufgenommen.

Ludwigs Buchtipp: Donna Haraway, Staying with the Trouble, Duke University Press, 2016 (Deutsche Übersetzung im Campus Verlag).

Beitragsbild oben: Foto von Lutz Stautner und Philipp Becker
Smart Cities: Wie digitale Technologien Städte nachhaltiger machen

Smart Cities: Wie digitale Technologien Städte nachhaltiger machen

Lisa Dreier arbeitet am Deutschen Institut für Urbanistik und begleitet deutschlandweit Kommunen bei der Entwicklung smarter Stadtkonzepte. In Interview erklärt sie, was hinter dem Begriff Smart City steckt und wie digitale Technologien dabei helfen, unsere Städte lebenswerter zu machen.

 

 „Smart City“ das ist oft ein schnelles Buzzword für die digitale Modernisierung von Städten. Was versteht man eigentlich darunter und wie hat sich das Konzept entwickelt?

Die Smart City gibt es nicht als eine einheitliche Idee – das kann relativ viel bedeuten, je nachdem aus welcher Perspektive man es betrachtet. Für mich gibt es zwei zentrale Zugänge: Entweder man sieht es aus der reinen Technik-Perspektive, wo Technologie als Lösung für alle städtischen Probleme verstanden wird. Oder man fragt sich: Wie können wir Technik sinnvoll nutzen? Wie wird sie zum Mittel zum Zweck statt zum Selbstzweck?

Die Idee Städte als steuerbare Systeme zu verstehen, reicht zurück bis in die 1950er und 60er Jahre. Entstanden ist diese Idee damals auch im Kontext der „Kybernetik“ als Steuerungswissenschaft, die nach dem zweiten Weltkrieg ihre große Zeit hatte. Der Begriff „Smart City“ selbst kam dann in den frühen 2000ern auf, aber richtig durchgesetzt hat er sich ab 2009. Das hat auch mit der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft und der Verbreitung von Smartphones Mitte der 2000er zu tun. Die digitale Vernetzung und die Verfügbarkeit von Daten haben das Konzept noch einmal grundlegend verändert.

Foto von Lisa Dreier. Credit: Vera Gutofsky, Deutsches Institut für Urbanistik.

Foto: Vera Gutofsky, Deutsches Institut für Urbanistik.

Über Lisa Dreier

Lisa Dreier ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Urbanistik im Forschungsbereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle von Digitalisierung und Stadtentwicklung. Sie berät Kommunen bei der Entwicklung und Umsetzung von Smart-City-Lösungen, und forscht zu Themen wie Künstlicher Intelligenz, Digitalen Zwillingen und dem Einsatz von Virtueller Realität in Beteiligungsprozessen.

Du arbeitest in der Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities. Wie funktioniert dieses Förderprogramm?

Wir betreuen zusammen mit weiteren Projektpartnern im Auftrag des Bundes das größte deutsche Förderprogramm für Digitalisierung in der Stadtentwicklung, die „Modellprojekte Smart Cities“. Der Bund fördert darin 73 Kommunen mit insgesamt 830 Millionen Euro. Die Kommunen konnten sich mit eigenen Projektideen bewerben. Eine Expertenjury hat dann eine möglichst große Bandbreite ausgewählt: von Metropolen wie München oder Hamburg bis zu kleinen Gemeinden mit so episch klingenden Namen wie Apfeldorf und Fuchstal.

Das spiegelt unser föderales System wider. Deutschland besteht nicht nur aus Großstädten, sondern aus 11.000 sehr unterschiedlichen Kommunen. Deshalb werden auch bewusst Projekte mit einerseits klarem Ortsbezug gefördert, andererseits geht es dabei um die Frage, wie andere Kommunen mit vergleichbarer Ausgangssituation von diesen ersten Erfahrungen profizieren können. Die Modellkommunen sollen daher Lösungen entwickeln, von denen alle anderen lernen können. Wir unterstützen sie dabei – von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Das bedeutet: Wir fahren quer durchs Land, setzen uns mit den Verantwortlichen zusammen und arbeiten gemeinsam daran, wie sich neue Ansätze in bestehende Verwaltungsstrukturen integrieren lassen.

Welche konkreten Vorteile bieten digitale Technologien für die Stadtentwicklung?

Das Potenzial liegt vor allem in der intelligenten Nutzung von Daten. Nehmen wir zwei zentrale Herausforderungen: Bürgerbeteiligung und Klimaanpassung. Bei der Bürgerbeteiligung geht es darum, komplexe Planungsvorhaben verständlich zu vermitteln. Traditionell liegen Bebauungspläne im Rathaus aus – meist zu Zeiten, wo normale Berufstätige keine Zeit haben. Digitale Tools ermöglichen es, diese Pläne online einzusehen, dreidimensionale Modelle zu erkunden und direkt Feedback zu geben. Wenn dann Hunderte von Rückmeldungen eingehen, können intelligente Systeme bei der Auswertung helfen.

Beim Klimaschutz ist die Anpassung von Städten an den Klimawandel und beispielsweise die Prognose von Extremwetterereignissen entscheidend. Sensornetzwerke können Daten zu Temperatur, Niederschlag und Bodenfeuchtigkeit in Echtzeit erfassen. So lassen sich Starkregen oder Hitzeperioden besser vorhersagen. Und Städte können gezielter reagieren: Wo entstehen Hitzeinseln? Welche Gebiete sind bei Starkregen überschwemmungsgefährdet? Diese Daten ermöglichen es, präventiv zu handeln, statt nur zu reagieren.

Wie bewertest du den aktuellen Stand der Smart-City-Entwicklung in Deutschland?

Das kommt auf die Perspektive an. Technologisch sind andere Länder teilweise weiter – allerdings oft auf Kosten des Datenschutzes. Unsere strengen Datenschutzbestimmungen sind ein wichtiges Gut, auch wenn sie Entwicklungen manchmal verlangsamen.

Die deutschen Verwaltungsstrukturen sind oft sehr starr, was solchen Smart City-Projekte auch schnell den experimentellen Charakter nehmen kann, der aber notwendig ist. Man muss Dinge ausprobieren und dabei eben auch scheitern dürfen, um voranzukommen. Was mich optimistisch stimmt: Die personelle Entwicklung in den Kommunen. Es ist beeindruckend, welche Expertise dort aufgebaut wurde. Die Mischung aus erfahrenen Verwaltungsmitarbeitern und neuen Ideen funktioniert erstaunlich gut.

Wir haben großen Respekt vor den Smart-City-Teams in den deutschen Kommunen. Sie sind oft kleine Speerspitzen, die zeigen, was möglich ist. Trotz vieler Widrigkeiten erkämpfen sie sich Raum für Innovation. Diese Beharrlichkeit und der konstruktive Austausch zwischen den Kommunen machen mir Mut für die Zukunft der Smart City in Deutschland.

Mehr Infos:

Artikel von Lisa zum Thema „Resilienz in der Smart City“

Über die Projekte

Überblick zu den Modellprojekten Smart Cities

Die Beteiligungsplattform DIPAS in Hamburg

Das Tiny Rathaus in Kiel

Das Projekt „Helfende Hände“

Stadtklimamonitoring in Bochum

Hitzeschutz in Hannover

Beitragsbild oben: Jill Evans, pexels.
Barrierearmes Webdesign – Ein Interview mit Juliane Schwabenbauer

Barrierearmes Webdesign – Ein Interview mit Juliane Schwabenbauer

Juliane Schwabenbauer hat gemeinsam mit Barbara Hinz in Leipzig das Designstudio two do gegründet. Zusammen machen sie engagiertes, gesellschaftsrelevantes Design mit einem Fokus auf soziokulturellen und politischen Projekten. Weil am 28. Juni in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz in Kraft tritt, haben wir über digitale Inklusion und barrierearmes Webdesign gesprochen.

Hallo Juliane, gemeinsam mit deiner Kollegin Barbara Hinz betreibst du seit zwei Jahren das Designstudio two do. Wie arbeitet ihr zusammen?

Wir haben two do gemeinsam gegründet und arbeiten hauptsächlich zu zweit. Fest im Team ist auch ein Programmierer, und je nach Projekt holen wir weitere Freelancer aus unserem Netzwerk dazu. Das funktioniert hervorragend und bereichert unsere Arbeit. Für das Projekt diskriminierungskritischer Klassenrat haben wir zum Beispiel mit einer Illustratorin zusammengearbeitet, die selbst einen Migrationshintergrund hat.

Man liest überall den Begriff „Barrierefreiheit“. Was bedeutet „barrierearm“ und wie setzt ihr diesen Ansatz in euren Projekten und Entwürfen um?

Wir haben früher selbst „barrierefreies Design“ gesagt, aber der Begriff ist eigentlich irreführend. Design kann nie vollständig barrierefrei sein, weil die Wahrnehmungen und Lebensrealitäten zu vielfältig sind. Vollständige Barrierefreiheit wird es nie geben, aber wir können durch gutes Design versuchen, möglichst viele Barrieren abzubauen.

Ein Anlass unseres Gesprächs ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das am 28. Juni in Kraft tritt. Es überführt den EU Accessibility Act in deutsches Recht und soll sicherstellen, dass künftig mehr Dienstleistungen barrierefrei gestaltet werden – darunter auch digitale Angebote und Dienstleistungen. Was hältst du davon?

Ich finde dieses Gesetz ausgesprochen wichtig, weil es dem Thema endlich die nötige Aufmerksamkeit verschafft. Oft braucht es leider einen äußeren Anstoß, damit sich Dinge wirklich verändern. Barrierefreiheit erfordert Ressourcen, Zeit und Geld – und ohne gesetzliche Vorgaben fehlt bei vielen das Bewusstsein für die langfristigen Vorteile.

Worauf muss man bei barrierefreiem Webdesign achten und wie setzt man es konkret um?

Im Frontend geht es wesentlich um Kontraste, besonders Farbkontraste. Mit Tools wie whocanuse.com können wir testen, ob unsere Farbkombinationen für Menschen mit verschiedenen Seheinschränkungen funktionieren. Wichtig sind auch durchdachte Typografie, angemessene Schriftgrößen und Zeilenabstände. Die visuelle Wahrnehmung läuft oft unbewusst ab – wir verstehen eine gut gestaltete Seite innerhalb einer Sekunde oder eben nicht. Klare Hierarchien leiten das Auge und können die Orientierung verbessern.

Konkrete Anforderungen sind zudem: stoppbare Animationen für Menschen mit Epilepsie, Tastatursteuerbarkeit für Nutzer mit motorischen Einschränkungen, sichtbare Fokusrahmen und eine Funktionalität auch in Schwarz-Weiß für Menschen mit Farbenblindheit.

Im Backend müssen wir sicherstellen, dass die Seite screenreader-kompatibel ist. Das erreichen wir durch saubere Strukturierung mit Tags und indem wir alle visuellen Elemente mit aussagekräftigen Alt-Texten hinterlegen.

Das Foto zeigt Juliane Schwabenbauer, Inhaberin des Studios two do aus Leipzig

Foto: privat

Über Juliane Schwabenbauer

Juliane Schwabenbauer hat an der Bauhaus-Universität Weimar Medienkunst und Grafikdesign studiert. Bei einem Auslandsaufenthalt in Korea wurde sie auf das Thema Alterseinsamkeit aufmerksam und hat eine App entwickelt, mit der sich ältere Menschen verabreden können. Später wurde daraus gemeinsam mit ihrer Kollegin Barbara Hinz die Idee für ein gemeinsames Studio mit Fokus auf barrierearmem Design und gesellschaftsrelevanten Projekten.

Wie läuft ein Designprozess mit Kunden ab?

Unser Prozess beginnt immer mit einem Kick-off-Workshop. Vorher geben wir den Kund:innen Hausaufgaben: Sie sollen ihre Zielgruppe definieren und die Stärken und Schwächen ihrer aktuellen Seite analysieren. Im Workshop strukturieren wir dann gemeinsam die neue Seite, entfernen Überflüssiges und kürzen Inhalte, damit Besucher mit möglichst wenigen Klicks zum Ziel kommen. Wir sprechen über Wünsche, Bedürfnisse und vorhandene Corporate-Design-Vorgaben, die berücksichtigt werden müssen. Eine Website barrierearm zu gestalten, bedeutet immer, sie grundsätzlich zu durchdenken und neu aufzubauen, damit auch alle Bereiche und Funktionen zugänglich sind und zusammen funktionieren.

Wie reagieren eure Kunden, wenn das Projekt fertig ist?

Bisher sind alle durchweg begeistert gewesen, wie viel entschlackter, schöner und benutzerfreundlicher ihre Websites geworden sind. Es existiert leider der Trugschluss, dass barrierefreies Design automatisch zu gestalterischen Abstrichen führt. Natürlich kann man allzu experimentelle Ideen nicht umsetzen, aber insgesamt schränkt barrierearmes Design nicht ein, sondern fordert uns heraus, intensiver über Gestaltung nachzudenken. Das Entscheidende ist die Bereitschaft zum Perspektivwechsel: Man muss aus der eigenen Komfortzone heraustreten und verstehen, woran andere Menschen scheitern könnten. Diese Herausforderung führt letztlich zu besserem Design für alle.

Hat sich dein Blick auf Design durch die Arbeit mit Barrierefreiheit verändert?

Ich hatte Glück, dass mein persönlicher Stil schon immer recht reduziert war. Die Schweizer Typografie und der schlichte, moderne Bauhaus-Stil haben mich schon immer begeistert. Aber mein Designverständnis hat sich auch grundlegend gewandelt. Ich habe schnell begriffen: Design bedeutet nicht einfach nur „schön machen“ – es ist ein Prozess, der verschiedene Lebensrealitäten berücksichtigen muss. Wir gestalten unsere Umgebung ständig und tragen damit auch Verantwortung.

Du hast digitale Tools zur Prüfung von Barrierefreiheit erwähnt. Arbeitet ihr auch direkt mit Menschen mit Einschränkungen zusammen, die eure Entwürfe aus erster Hand testen?

Wir würden unsere Produkte viel lieber direkt mit den betroffenen Menschen testen lassen, aber hier stoßen wir oft an finanzielle Grenzen. Es gibt in Leipzig eine hervorragende Agentur, die genau solche Tests anbietet. Dort arbeiten viele Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, die professionell Produkte auf Barrierefreiheit prüfen – sie haben beispielsweise auch die Leipziger Buchmesse evaluiert. Eine Zusammenarbeit wäre für uns ideal, scheitert aber meist am Budget. Daher müssen wir uns hauptsächlich auf digitale Testtools verlassen.

Ist barrierefreies Design noch ein Nischenthema oder wird es langsam größer?

Das ist schwer einzuschätzen, da die Design-Community recht überschaubar ist. Ich spüre definitiv, dass das Thema präsenter wird. Es gibt eine wachsende Gruppe engagierter Designer:innen, die bewusst gesellschaftsrelevant und politisch arbeiten möchten. Diese Personen setzen sich leidenschaftlich für barrierefreies Design ein. Allerdings sind es oft die „Nerds“ unter uns, die wirklich Lust haben, tief in diese komplexe Materie einzusteigen. Ich hoffe, dass mit zunehmender Gesetzgebung und gesellschaftlichem Bewusstsein barrierefreies Design vom Spezialthema zum selbstverständlichen Standard wird. So weit sind wir aber noch nicht.

Wir leben in politisch und gesellschaftlich turbulenten Zeiten. Was gibt dir Hoffnung?

Meine Hoffnungsquellen variieren tatsächlich von Woche zu Woche. Besonders berührt es mich, wenn ich bei Demos erlebe, wie viele Menschen sich engagieren und für gesellschaftliche Anliegen einsetzen. Ein konkretes Beispiel, das mich optimistisch stimmt: Wir haben zusammen mit dem Volksverpetzer eine Broschüre mit dem Titel „Fakten gegen rechte Mythen“ entwickelt. Als Gestalter:innen wollten wir unsere Kommunikations- und Designkompetenzen sinnvoll einsetzen. Wir haben zehn gängige Thesen ausgewählt und Freunde gefragt, ob sie jeweils eine bearbeiten möchten. Die Resonanz war überwältigend – alle wollten sofort mitmachen und konkret handeln. Diese Bereitschaft zum aktiven Engagement in meinem Umfeld gibt mir echte Zuversicht.

Mehr Infos:

Eine Übersicht zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz von Aktion Mensch

Mehr über das two do Studio

Und die Agentur für Barrierefreiheit

Das Tool whocanuse macht sichtbar, wie Menschen mit Seheinschränkungen Farbkontraste wahrnehmen

 

KI und Nachhaltigkeit – Ein Interview mit Dr. Sebastian Rosengrün

KI und Nachhaltigkeit – Ein Interview mit Dr. Sebastian Rosengrün

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, zieht KI meist kritische Blicke auf sich, wegen des hohen Energieverbrauchs von Rechenzentren oder der Abwertung menschlichen Denkens. Mit Dr. Sebastian Rosengrün, der sich als Philosoph und Programmierer in Theorie und Praxis gleichermaßen auskennt, habe ich über KI, Kritik, den Hype und die Chancen gesprochen.

Sebastian, wie kommt man von der Philosophie zur KI?

Ich war schon immer sehr computerbegeistert und habe das immer als mein Hobby gesehen, und Philosophie sozusagen als meine Profession oder als mein Studium. Aber auch in der Philosophie habe ich mich viel mit mathematischer Logik beschäftigt und häufiger mit Leuten aus dem Fachbereich Informatik gemeinsame Projekte gemacht. 

Momentan ist KI ein großes Thema und viele Menschen fangen jetzt an, sich damit zu beschäftigen. Wann hast du angefangen?

Mit KI beschäftige ich mich schon länger, also eigentlich schon seit dem Studium. Vor sieben oder acht Jahren habe ich begonnen, mich systematischer mit KI zu beschäftigen, und vor fünf Jahren habe ich dann mein Einführungsbuch bei Junius geschrieben. KI war damals noch kein so großes Thema. Da haben alle eher über Blockchain oder Quantencomputer gesprochen, aber seit zwei, drei Jahren rollt die ganz große Hype-Welle.

Es klingt immer akademisch, aber Philosophie ist auch „Begriffsklärung“. Ist „künstliche Intelligenz“ überhaupt der richtige Begriff?

Ich finde den Begriff ein bisschen unglücklich gewählt, weil er bei vielen Menschen falsche Assoziationen weckt und daher die Debatte verwirrt. In meinem Buch schlage ich vor, KI als einen Sammelbegriff für verschiedene Programmiertechniken zu verstehen, die für verschiedene Anwendungsfälle zum Einsatz kommen, von Natural Language Processing, Machine Learning bis zu Computer Vision.

Mit ChatGPT hat die Debatte um KI einen neuen Höhepunkt erreicht. Kannst du erklären, was dahintersteckt und wie es dazu kam?

Als OpenAI ChatGPT veröffentlicht hat, wirkte es erst mal so, als sei da etwas fundamental Neues entstanden. Neu war aber eher die Anwendung, also die Chatoberfläche. Die großen Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) dahinter gibt es aber schon viel länger. Der Durchbruch von ChatGPT und die neue Qualität der Texte, die es produziert, hängt damit zusammen, dass LLMs inzwischen größere Mengen an Trainingsdaten zur Verfügung stehen und auch die Rechenleistung, die es benötigt, um Sprachmodelle mit Hilfe dieser Daten zu trainieren.

Foto von Sebastian Rosengrün

Foto: Frank Nürnberger

Über Sebastian Rosengrün

Dr. Sebastian Rosengrün berät Unternehmen und Institutionen beim verantwortungsvollen Umgang mit KI und forscht als PostDoc an der Universität Augsburg zum Menschenbild der Künstlichen Intelligenz. Im Frühjahr 2025 hat er das AI Impact Lab in Berlin mitgegründet, das Unternehmen unterstützt, KI Compliance als strategischen Wettbewerbsvorteil zu nutzen. 

KI hat ja eine schlechte Klimabilanz, warum eigentlich?

Dass KI einen so großen Energiebedarf hat, ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Der mit Abstand größte Teil der Energie wird für das Training der Modelle benötigt. Ich brauche extrem viel Rechenkapazität und eigene Rechenzentren dafür, die wiederum eine Menge Strom und Energie unter anderem für die Kühlung der Server brauchen. Mit jeder Abfrage, die ich durchs Internet schicke, verbrauche ich Energie, und ChatGPT verbraucht dabei ca. 30-mal mehr Energie als eine Google-Suche.

Welche Ansätze gibt es, um die Energiebilanz zu verbessern?

Da gibt es verschiedene Stellschrauben, an denen man drehen kann. Das eine ist natürlich, die Rechenzentren energieeffizienter zu machen und sie im besten Fall mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Aber als Entwickler kann man schauen, den Programmiercode schlanker zu machen und dadurch weniger Rechenoperationen und weniger Strom zu benötigen. Das Green Software Movement ist eine Bewegung, die sich mit so etwas beschäftigt. Und als User kann man sich überlegen, ob man wirklich für jede kleine Recherche gleich auf das größte Reasoning-Modell zurückgreifen muss.

KI nachhaltiger zu machen ist die eine Sache, aber kann man mit Hilfe von KI auch beispielsweise ökologische Probleme besser angehen?

Die schwierige Frage ist ja immer, ob die Technik Schuld an unseren Problemen oder eben die Lösung für sie ist. Die Antwort liegt vermutlich meistens irgendwo in der Mitte, und man muss sich die konkreten Anwendungsfälle anschauen. Der Einsatz von KI ist überall dort gut und sinnvoll, wo es darum geht, große Datenmengen auszuwerten und darin Muster zu erkennen. Das kann man beispielsweise dafür nutzen, um Modelle und Prognosen zu erarbeiten, um die Auswirkungen des Klimawandels besser zu verstehen.

Installationsansicht Grüne Moderne. Die neue Sicht auf Pflanzen. Museum Ludwig, Köln 2022 Foto: Leonie Braun

Der Einsatz von KI wirft viele ethische Fragen auf. Welche interessiert dich am meisten?

Mich beschäftigt am meisten die Frage, wie KI unsere Gesellschaft und unser Menschenbild verändert. Im aktuellen Diskurs geht es meistens darum, dass KI vermeintlich immer menschlicher wird. Meine These ist, dass unser Menschenbild immer technischer wird und wir uns immer stärker entlang technischer Maßstäbe verstehen.

Was ist ein guter Weg oder eine gute Haltung, um sich mit KI auseinanderzusetzen? Braucht es die kritische Distanz oder das Staunen und Ausprobieren?

Ein bisschen von beidem, würde ich sagen. Erstmal ist es wichtig, offen und neugierig zu sein, denn es hat keinen Sinn, sich in seinem stillen Kämmerlein einzuschließen und zu hoffen, dass der KI-Hype vorbeizieht. Sicher ist, dass KI gekommen ist, um zu bleiben, und unsere Gesellschaft verändern wird. Neugierde, Ausprobieren und Tatendrang – das trägt auch dazu bei, dass man sich mit den neuen Tools und ihren konkreten Einsatzmöglichkeiten beschäftigt. Das hilft wiederum, richtig einzuschätzen, wo KI sinnvoll und notwendig ist und wo nicht.

Das ist interessant, denn oft entsteht ja der falsche Eindruck, „Kritik“ sei ein distanziertes, leicht nörgelndes „Über-etwas-Sprechen“. Du bist eher für eine Form kritischer Neugierde.

Unbedingt, und ich würde sagen, dass Bildung dafür eben ganz wichtig ist, um im praktischen Umgang so ein kritisches Urteilsvermögen auch ausbilden zu können. Das muss gestärkt und auch in der schulischen Bildung verankert werden. Ich halte zum Beispiel nicht viel vom Begriff „digitale Ethik“, weil das immer so klingt, als würde man fernab der Praxis ein Regelwerk entwerfen, an das man sich halten muss. Dabei ist Ethik etwas, das man macht und zu dem man gelangt, indem man sich mit den Dingen auseinandersetzt. Dafür sind auch Gespräche und Diskussionen wichtig. Kritik bedeutet, Unterscheidungen treffen zu können, und das ist eigentlich nichts Negatives.

Um den verantwortungsvollen Umgang mit KI zu fördern und Menschen weiterzubilden, hast du vor Kurzem das AI Impact Lab gegründet. Was macht ihr genau?

 Genau, ich habe das AI Impact Lab gemeinsam mit Dr. David Rump gegründet, einem wunderbaren Juristen, mit dem ich zuvor schon viele Jahre akademisch zusammen gearbeitet habe. Wir verfolgen gemeinsam das Ziel, KI-Compliance im Unternehmen als Instrument zur digitalen Innovation zu verstehen. Beispielsweise fordert Artikel 4 des European AI Acts Unternehmen dazu auf, ihre Mitarbeitenden im Umgang mit KI zu schulen. Auf LinkedIn liest man ja viele Klagen, dass der AI Act ein solches Bürokratiemonster sei, aber ich halte etwa diesen Bildungsaufruf, der darin verankert ist, für eine wichtige Chance, wenn man ihn denn richtig versteht und in die Praxis umsetzt.

Welche Bereiche betrifft das konkret in einem Unternehmen?

Erstmal haben wir natürlich die Frage nach dem Einsatz von KI im Unternehmen und die damit verbundene Herausforderung, alle Mitarbeitenden auf diesem Weg mitzunehmen und fortzubilden. Neben Kompetenz helfen klare Verhaltens- und Nutzungsregeln dabei, KI im Unternehmen auch verantwortungsvoll einzusetzen. Einzelne Anwendungsfälle, bei denen KI-Compliance und Datenschutz dann eine Rolle spielen, sind der Umgang mit Unternehmens- und Kundendaten oder etwa die Frage, ob und wie KI bei der Sichtung von Bewerbungsunterlagen eingesetzt werden darf.

Aus deiner Sicht ist der AI Act also auch eine Chance für Unternehmen?

Er gibt ihnen auf jeden Fall einen wichtigen Anstoß, sich mit dem Thema zu befassen, und bringt sie vielleicht auch dazu, sich darüber Gedanken zu machen, wie KI ihre Geschäftsmodelle in Zukunft verändern wird. Wenn man sich diese Fragen stellt, kann man darauf aufbauend entscheiden, wie man KI im eigenen Unternehmen einsetzen will. Und darin steckt auch ein großer Wettbewerbsvorteil.

Mehr Infos:

Bücher von Sebastian Rosengrün:

Künstliche Intelligenz zur Einführung, Junius Verlag, Hamburg, 2020 (Rezension hier auf ecologies)

mit Fabian Geier: Digitalisierung. Die 101 wichtigsten Fragen. München: Beck 2023

 

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